Dirk Ollmetzer | Saturday, 29 August 2015 | Gizmos, Retro
Ein Terminal ist die Kombination aus Tastatur und Bildschirm. Diese “dummen” Ein-/Ausgabe Geräte waren seinerzeit über eine (meist serielle) Schnittstelle an Großcomputer im entfernten Rechenzentrum angeschlossen. Ihre größte Verbreitung hatten Terminals zwischen den späten 60er bis in die 80er Jahre.
Umso lustiger ist es, wenn heute jemand diese Technik aus dem Computermittelalter nutzt, um sie mit aktueller Technik zu verbinden. In den beiden Beispielen ist das jeweils ein Raspberry Pi – also ein Bastelcomputer für ca. €35,- der nur etwas größer als ein Scheckkarte ist.
Einerseits finde ich es spannend, dass es überhaupt möglich ist, Hardware zu koppeln, die zeitlich 35 Jahre auseinanderliegt. Andererseits passt das auch ganz gut, weil des Raspberry Pi mindestens so viele Rechenpower hat, wie ein damaliger Großrechner.
Die beiden Beispiele finde ich so wunderbar versponnen, dass ich sie Euch gleich mal vorstellen möchte.
Das zwischen 1979 und 1983 gebaute VT100 Terminal gehörte zu den meistgenutzten Terminals überhaupt. Dieses an einen Raspberry Pi anzuschliessen und Linux über die Kommandozeile zu bedienen ist eigentlich schon fast etwas langweilg – aber darüber die Stereoanlage zu steuern hat dann doch etwas spezielles, wie ich finde.
Im zweiten Beispiel ist die Anwendung selber eher trivial; Lynx als textbasierter Internetbrowser. Dafür ist die Hardware allerdings relativ exotisch: Ein Minitel Terminal. Diese Geräte funktionierten nur als Endgeräte für den französischen Onlinedienst Mintel, der zwischen 1983 und 2012 bis zu 25 Millionen Anwender hatte. Durch die Abschaltung des Dienstes wurden die Geräte quasi alle zu Elektroschrott.
Sehr schön, wenn jemand die solide Hardware kreativ weiterverwendet. Das Ergebnis der Bastelei ist, dass sich aktuelle Webseiten so anfühlen, als wären sie 30 Jahre alt. Spannend.
Das Chaos Communication Camp findet seit 1999 alle vier Jahre im Berliner Umland statt. Bei den letzten beiden (2007 und 2011) war ich jeweils beruflich verhindert. Dieses mal sollte es jedoch klappen und die Freude war groß, als ich das Ticket hatte und mein Urlaub genehmigt war.
Das Eintrittsbändchen zum Camp
Um das Fazit vorwegzunehmen – die Erfahrung war beides gleichzeitig: super und mist.
Ich hatte mich seit Wochen vorbereitet, den kompletten Mittwoch Zeug zusammengepackt und bin am Donnerstag Morgen losgefahren. Die Fahrt von Prenzlauer Berg zum ca. 80Km nördlich von Berlin gelegenen Ziegeleipark Mildenberg dauert etwas über eine Stunde. Die Brandenburger Landschaft ist nur recht spärlich besiedelt, aber mit viel Wald und Wasser sehr schön (siehe Video weiter unten). Die Strecke zum Ziegeleipark war gut ausgeschildert und der letzte Hinweis ist wirklich gelungen… :-D
Eindeutig: Hier geht’s zum Internet
Nach der Anreise machte ich auf dem Gelände das BER-Village ausfindig, in dem sich einige Berliner Vereine zusammengetan hatten um zusammen zu zelten und eigene kleinere Vorträge stattfinden zu lassen.
Der “Eingang” zum BER Village
Eine handvoll Leute davon kenne ich, also stellte ich mein Zelt in das Village und verlegte Strom- und Ethernet Kabel. Nachdem mein Zelt endlich voll ausgestattet war, machte ich mich erst mal auf den Weg über das Gelände.
Das Zelt steht (zum ersten Mal) und ist komplett connected
Der Rundgang war toll – überall interessante Leute aus aller Herren Länder, spleenige Basteleien (Ein Roboter, der Crepes herstellt, ein elektrisches Fahrzeug aus zwei Getränkekisten, …) und nerdiger Humor. Leider ist fast überall Fotografieren unerwünscht, deshalb hier nur ein kleiner Rundblick.
Panorama. Ca. 1/6 des Camp Geländes
Foodcourt
Schlafzelte stehen fast überall
Auf dem Gelände stehen natürlich die Artefakte der alten Ziegelei; Ringöfen, Bagger und alle möglichen Spezialgebäude. Zudem ist das ganze Areal mit einem Gleisnetz der Ziegeleibahn durchzogen. Ein Rundkurs wurde sogar regelmäßig mit einer Museumsbahn befahren. Insbesondere nachts mußte man ziemlich aufpassen, wo man hintrat. Gleise, Kabel (Ethernet oder Strom) oder provisorische Wasser und Abwasserleitungen. Die komplette Infrastruktur für die 4500 Besucher mußte extra für das Camp aufgebaut werden.
Ringofen mit Bahnschienen
Das kleine Vortragszelt
400KVA – zwei von etlichen Dieselgeneratoren mit insgesamt 2,5MW Leistung
Nach Sonnenuntergang verwandelte in einen fast magischen Ort: Alles wurde bunt beleuchtet und die Stimmung war super. Auch hier merkt man, dass irrsinnig viel Arbeit mit Liebe zum Detail investiert wurde.
Foodcourt und Dancefloor
Großes Vortragszelt und Umgebung
In dem Eintrittspreis war auch ein elektronisches Spielzeug enthalten, dass ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. Nach einer etwas verwirrenden Schnitzeljagd über das halbe Gelände und langem Anstehen hatte ich nach knapp zwei Stunden um 23:00 auch mein Rad1o-Badge bekommen. Jetzt wollte ich mich in mein Zelt zurückziehen, noch etwas rumbasteln und dann schlafen.
Denkste!
Bei den Vorbereitungstreffen hieß es, dass die Ecke des BER Village aufgrund der Nähe von Anwohnern leise sein würde und die Party auf der anderen Seite des Geländes stattfindet. Tatsächlich feierten im BER 50-100 Leute zu lauter und, basslastiger Musik. Mein Zelt stand gefühlt mitten auf der Tanzfläche. An Schlaf war – egal ob mit oder ohne Ohrenstöpsel – nicht zu denken. Um 2:00 Morgens war immer noch kein Ende in Sicht und wir bekamen die Auskunft “Das geht mindestens noch bis 5 Uhr. Und das bleibt die nächsten Tage auch so”.
Übersicht über das Gelände und die Umgebung
Eigentlich hätte ich an der Stelle bereits nach Hause fahren können. Sich mitten in der Nacht, todmüde, ohne richtiges Licht einen neuen Platz für das Zelt zu suchen – nachdem alle einigermaßen brauchbaren Flecken bereits belegt waren, macht so richtig Spaß. Nämlich gar keinen. Die ganze Aktion hat eine Stunde gedauert. Am Ende stand mein Zelt fast genau am Haupteingang, ohne Strom, ohne Netzwerk und alle Klamotten wild durcheinandergeworfen.
Um halb vier bin ich dann stinksauer eingeschlafen und um kurz nach acht wieder aufgewacht, weil das Zelt in der Sonne bereits brütend heiss wurde. Den Tag habe ich unausgeschlafen, mit Kopfschmerzen und angesäuert verbracht. Bei 35 Grad habe ich den ganzen Tag geschwitzt ohne Ende, was durch den Sandstaub, der über das Gelände wehte auch nicht besser wurde. Zudem merke ich, dass mich diese provisorischen Sanitäreinrichtungen kolossal stören und dass beim Programmieren im Hackcenter Zelt Staub und Legionen von Ameisen in den Laptop eindringen wollen, finde ich auch nicht so richtig prall.
Ich habe dann abends beschlossen, nach Hause zu fahren, bevor ich fünf Tage schlechte Laune habe. Dass ich auch in Berlin nicht zur Ruhe gekommen bin, weil ich mein Telefon verloren habe steht noch mal auf einem anderen Blatt.
Am Sonntag bin ich dann wieder auf das Camp zurückgekehrt und noch ein bisschen Nerdkultur zu inhalieren und den einen oder anderen zu treffen, aber irgendwie hatte ich mir das im Vorfeld anders vorgestellt.
Versteht mich nicht falsch: Die Orga hat einen Super Job gemacht. Ein Gelände mitten in der Pampa mit Mobilfunk, leistungsfähigem Internet, richtig viel Strom, Wasser und einer Abwasserlösung für über 4000 Menschen zu versorgen ist eine echte Herausforderung und sie wurde mit Bravour gemeistert. Ein interessantes Programm zusammenzustellen (die Vorträge kann man hier ansehen: http://media.ccc.de/browse/conferences/camp2015/index.html), den Foodcourt, die Feuerwehr und den Behördenkram zu organisieren…
Alles war wirklich klasse gemacht – aber Camping nervt mich einfach total. Das hatte ich im Vorfeld leider vollkommen unterschätzt.
Die folgende Sendung präsentiert den brandneuen, heissen Scheiss: Computer für Zuhause, eigene Videorecorder und Laser Disc Player, Textinformationen auf dem Fernseher und Videospiele.
Die Aufnahme ist von 1980. Damals war ich 12 und an all dem Kram brennend interessiert. Insbesondere die Szene, in der die neuen Videorecorder (klobige Mechanik, die zig Kilo wog) gezeigt werden, macht einem schmerzlich bewusst, dass das alles nicht einfach nur lange her ist, sondern im letzten Jahrtausend war.
Noch spannender als der leicht amüsierte Rückblick auf alte Technik, ist aber die Frage, wie der Fortschritt der Alltagstechnik uns und unser Zusammenlaben geändert hat. Die BBC hat eine klasse Miniserie darüber produziert, indem sie eine Familie von aus dem Jahr 2009 quasi in das Jahr 1970 katapultiert hat, indem das komplette Haus auf alt getrimmt wurde. Die Eltern hatte noch Kindheitserinnerungen (die manchmal getrogen haben), aber die vier Kinder standen fassunglos in einem Haus nicht nur, ohne Handy, Computer, Video und Mikrowelle sondern mit winzigem Schwarzweissfernseher, Mono-Radio und Wählscheibentelefon,
Sehr spannend, was die Veränderungen mit der Familie machen. Warum sehe ich solche Sendungen eigentlich nie im Deutschen “Qualitäts”fernsehen?
Dirk Ollmetzer | Wednesday, 12 August 2015 | Unterwegs
Hinter mir liegt ein viel zu kurzes langes Wochenende. Den unerträglichen Temperaturen in Berlin am Freitag (38 Grad) bin ich nach Norden entflohen. An der Schleswig Holsteinischen Ostseeküste herrschten dann auch entspannte 24 Grad, was immer noch für einen tollen Tag an den Stränden von Holnis und Glücksburg gereicht hat. Davon abgesehen ist es dort oben einfach immer wieder schön und erholsam.
Nachts hat es geregnet, was in Brandenburg ja schon sei gefühlt einem Jahr nicht mehr passiert ist. Dementsprechend gesünder und saftig grün sieht die Natur dort oben auch aus.
Nachdem ich heute nach der Rückfahrt in Berlin aus dem Auto stieg, traf mich hingegen fast der Schlag – immer noch 34 Grad und das Schlafzimmer hat 29 Grad. Na suuuper… :-/
Was ich hier aber wirklich mal herzallerliebst finde, ist das gelungene Design. Ein Pocket Operator ist ein Musikinstrument, sieht aber aus, wie ein Taschenrechner, dem man das Gehäuse geklaut hat und das Display erinnert grafisch an die lustigen LCD-Spiele aus Nintendos Game and Watch Serie der frühen 80er Jahre. Das Rhytmusgerät zeigt eine Nähmaschine, das Bassgerät ein U-Boot und der Lead-Synth eine Art Fabrik. Total sinnlos, aber lustig.
Klar, das die Dinger (Preis knapp unter €70,-) brutal elektronisch klingen. Hier hat mal jemand mit den Teilen passenderweise “Taschenrechner” von Kraftwerk darauf gejamt.
Die Aufnahme ist Live und wurde nicht nachbearbeitet. Beteiligte Instrumente: Pocket Operator PO-16 Factory, Pocket Operator PO-14 Sub, Pocket Operator PO-12 Rhythm, Stylophone und Korg mini KAOSS PAD 2.
Ich kann Software – Hardware leider nicht. So ein bisschen Arduino oder ähnliches ist ganz nett, aber da springt bei mir der Funke nicht so recht über. Wenn jemand so richtig coole Spielzeuge bauen kann, bin ich dafür um so begeisterter. Elektronik überhaupt zum laufen zu bekommen ist ja schon mal nicht so ganz ohne, aber wenn man dann auch noch seine Projekte so detailverliebt und stylisch zu Ende bringt, werde ich doch ein ganz klein wenig neidisch.
Die drei Disziplinen Elektronik, Software und klassisches Handwerk bringt Simon Jansen ganz hervorragend zusammen. Wo sich normale Leute vielleicht für eine Smartwatch interessieren, baut er sich eine Enigma-Watch. Alleine das Thema ist schräg bis dorthinaus. In dem Video beschreibt er das Projekt mit dem Satz “It works like a normal three rotor Enigma machine”. Wer bis jetzt den Witz noch nicht verstanden hat – die Enigma war die Standard Ver- und Entschlüsselungsmaschine der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
Klar – sowas braucht man natürlich am Handgelenk, insbesondere, wenn sie handwerklich so toll gemacht ist.
Fast schon normal wirkt dagegen der Heimcomputer “Orwell”, den Jensen auf der Basis des 6502 Prozessors gebaut hat. Die Elektronik ist selbstentworfen, das Betriebssystem ist selber programmiert und das Gehäuse ist selbstverständlich ebenfalls selbst gebaut – aus Metall und Eichenholz! Genau so hätte ein ambitioniertes Projekt auch schon 1977 aussehen können. Auch hier überzeugt wieder die Qualität im Detail – bis zum geätzten Messing Typenschild.
Dirk Ollmetzer | Thursday, 11 June 2015 | Misc, Unterwegs
Nerds sind nach allgemeiner Lesart Leute die sich so gut mit Computern auskennen, dass sie für normale Menschen etwas spleenig erscheinen. Ich finde, dass das irgendwie auch für Menschen anderer Fachrichtungen gelten sollte. Neulich bin ich zum Beispiel über die Bezeichnung Kaffee-Nerd gestolpert.
Heute war ich bei den Blumen-Nerds. Genauer gesagt habe ich die Weltmeisterschaft der Floristen, den Fleurop-Interflora World Cup Berlin 2015 besucht, der vom 11. bis 13. Juni 2015 in Berlin stattfindet. Als jemand der Blumen eher beiläufig zur Kenntnis nimmt (“hmmm, sieht ganz hübsch aus – wie heisst die Pflanze nochmal?“), fand ich die Ankündigung zunächst recht kurios, aber ich war auch neugierig. Und so habe ich mich trotz Heuschnupfen in die Arena in Treptow begeben.
Fleurop Interflora World Cup in der Arena
Eine charmante Mitarbeiterin von Fleurop gab mir eine ausführliche Einführung in die Blumen-Szene und erzählte einiges über Hintergründe und Ziele der Veranstaltung.
Der World Cup besteht aus mehreren Einzelwettbewerben. Als thematische Klammer dienen die Besonderheiten des Austragungsortes Berlin (Mauer durchbrechen, Freiheit, Aufbruch,…). Der zweistündige Wettbewerb, von dem die Bilder stammen, lief unter dem Motto “100 Prozent persönlich”.
Von der etwas naiven Vorstellung, dass es hier um Blumengebinde für den Wohnzimmertisch geht, habe ich mich gleich nach betreten der Halle verabschiedet. Man denkt hier in etwas größeren Dimensionen.
Schlicht
Ich gebe zu, dass ich einen schlichten Geschmack habe, was Blumen angeht; einfach und natürlich finde ich reizvoller als üppig und extravagant. So sagte mir der Beitrag aus Schweden zu und irgendwie fand ich ihn auch “schwedisch”.
Schweden
Auch der Beitrag von Weißrussland hat mich ästhetisch angesprochen. Die Bilder habe ich übrigens alle noch ziemlich zu Anfang aufgenommen. Daher sind die Gestecke noch etwas kahl. Die Idee ist aber immer schon gut zu erkennen.
Weißrussland
Den Beitrag aus Griechenland fand ich wegen seiner Natürlichkeit hübsch.
Griechenland
Extravagant
Der Wettbewerb hatte aber aus meiner Sicht auch seine kuriosen Seiten. Als Gerüst oder Unterlage für die Gestecke und Gebinde dienen eigentlich immer irgendwelche organische Materialien, wie Holz. Gerne in Form von Treibholz. Manche denken da aber auch etwas ausgefallener.
Estland - Knochen als Grundlage
USA - Blumenampel aus Hörnern
Auch wenn das zunächst etwas befremdlich erscheint, kann das Gesamtarrangement im Ergebnis dennoch ansprechend werden.
Estland - Blumenmauer
USA
Üppig
Natürlich gab es auch Beiträge aus der Rubrik edel und üppig, wie den der Schweiz
Schweiz
In dieser Hinsicht eher etwas enttäuschend fand ich Beiträge der Länder, die eine üppige, tropische Vegetation haben, wie Brasilien und Malaysia. Vielleicht war das auch einfach eine Anti-Haltung. Wer dort massenweise Orchideen sehen will, geht einfach in den Wald?
Besucher
Die Arena war gut mit Besuchern aus aller Welt gefüllt. Nicht nur Europäer, wie es zu erwarten war, sondern auch Amerikaner, und Asiaten waren überraschend zahlreich vertreten. Überall wurde genau zugesehen und fotografiert, so dass kaum ein Durchkommen war.
Insgesamt habe ich hier eine Veranstaltung erlebt, die (zumindest aus meiner Sicht) mal so ganz anders ist. Dem Motto “Die Welt braucht Blumen” kann ich nur zustimmen. Sie sieht dann schöner aus und riecht viel besser (auch wenn meine Nase von dem Blütenstaub juckt) ;-)
Das verlängerte Wochende habe ich zu einer recht spontanen Fahrt in den hohen Norden genutzt. Das Wetter war mir hold; Zwar recht frisch, aber mit erstaunlich viel Sonne. Ideal zum Spazierengehen und Seele baumeln lassen.
Holnis Strand mit Blick auf die Aussenförde
Den Anfang machte am Freitag ein Spaziergang um die Halbinsel Holnis bei Glücksburg. Vom Ortsteil Drei, am Strand entlang bis zur Spitze, vorbei an der Klippe und der alten Ziegelei. Ab dem 1. Mai ist offiziell die Badesaison eröffnet, aber bei 11 Grad gab es nur ein paar Camper und Spaziergänger.
Niedliche Galloway Kälber auf Holnis
Den “Tag des Fischbrötchens” habe ich zu einem Spaziergang bei Maasholm an der Mündung der Schlei genutzt. Zwar habe ich mir den Fisch verkniffen, aber es gab in dem malerischen Örtchen auch eine nette kleine Bäckerei mit leckeren Torten.
Maasholm Hafen
Maasholm Kirche
Mit der Überschrift wollte ich übrigens keinesfalls die Menschen im Norden herabsetzen (Tünnlüüd sind “komische Leute”). Im Gegenteil – mir sagt der Menschenschlag mit seinem trockenen Humor ja sehr zu. Tünnlüüd ist der Name einer kleinen Gasse in Maasholm, wie ein Ausschnitt aus der Karte am Hafen zeigt.
Tüünlüüd - wohnen bei den 'komischen Leuten'
Nach einem so schönen, viel zu kurzem langen Wochenende habe ich eigentlich keine Lust fünf Stunden auf der Autobahn zu verbringen um wieder in das laute Berlin mit seiner schlechten Luft und den Sauftouristen zurückzufahren, aber “wat mutt, dat mutt”.
Dirk Ollmetzer | Tuesday, 21 April 2015 | Unterwegs
Letzte Woche war ich für ein paar Tage in Rom. Bevor ich einen Roman über einen tollen Kurzurlaub schreibe, versuche ich mal die Reise in einem Satz zusammenzufassen:
Rom haut einen total um.
Man ist ja als deutscher Bildungsbürger vorbereitet. Wir alle lieben Pizza und Cappuccino und haben Asterix gelesen, nicht wahr? ;-)
Die Bilder vom Kolosseum, Petersplatz, Fontana di Trevi, der Spanischen Treppe und dem Verkehrschaos mit den Motorrollern hat man schon tausend Mal gesehen. Sie sind quasi ins kollektive Gedächtnis gebrannt.
Und es stimmt auch alles. Es sieht wirklich genauso aus. Rom ist laut, überfüllt, leicht chaotisch, sehr charmant, wahnsinnig malerisch, mit antiken Ruinen und nicht ganz so antiken Gebäuden durchsetzt, von Touristenmassen zu Tode geliebt. Daher waren die paar Tage genauso, wie erwartet.
Und doch auch anders. Denn ich war verblüfft, wie intensiv der Eindruck ist, wenn man selber vor Ort ist.
Dieses Gefühl, wenn man im Pantheon steht, die nach oben offene Kuppel ansieht, den prachtvollen Raum auf sich wirken lässt und sich plötzlich bewusst wird, dass das Gebäude fast 1900 Jahre alt ist.
Pantheon - Kuppel
Das Staunen, wenn man im Kolosseum in die Runde schaut und sich vorstellt, wie dort vor fast 2000 Jahren High-Tech Veranstaltungen (die Arena hatte eine aufwändige Bühnentechnik mit Unterkellerung, Falltüren und Aufzügen) vor bis zu 50.000 Besuchern abliefen.
Kolosseum
Unter dem Begriff Therme habe ich mir immer eine relativ normale Badeanstalt vorgestellt – aber nicht ein Gebäude von über 11 Hektar Grundfäche, mit riesigen Kreuzgewölben das über 20m hoch ist. Die Ausstattung (wir reden vom Jahr 240 n.Ch.) mit Kalt- und Warmwasserbecken, Fussbodenheizung, Sport- und Versammlungsräumen, Bibliothek, Friseur und sonstigen Dienstleistungen ist eines aktuellen Wellnessbetriebes ebenbürtig. Selbst die Ruinen sind noch immer imposant.
Therme auf dem Palatin
Selbst für mich als altem Atheisten ist der Besuch des Vatikan (habe es wegen der Massen leider nicht bis in den Petersdom geschfft) irgendwie etwas besonderes.
Petersplatz auf dem Vatikan
Mir war völlig neu, dass Rom noch eine fast vollständige Stadtmauer aus dem 3. Jahrhundert aufweist. Und das Gebiet, das die fast 19km lange Mauer umfasst, ist für eine alte Stadt einfach gigantisch.
Porta Pinciana
Und das tollste ist, dass sich diese ganzen Anlagen einfach mitten im Zentrum der Stadt befinden. Man läuft eine belebte Strasse runter und plötzlich stehen da irgendwelche Brösel rum.
Largo di Torre Argentina
Viele interessante Bauten und Anlagen entstammen nicht nur der Antike, sondern auch der Renaissance und Barockzeit. Wirklich moderne Gebäude finden sich in der Innenstadt kaum. Auch das hatte ich nicht erwartet.
Piazza Navona
Ein paar ganz subjektive Tipps für Rom Interessierte:
Hotels: Nehmt die Anzahl der Sterne und teilt sie durch zwei, damit die Einstufung realistisch wird. Die Hotels sind eigentlich nur zu ertragen wenn man morgens sofort loszieht und Abends todmüde zurückkommt.
Frühstück im mitteleuropäischen Sinne gibt es nicht. Auch nicht, wenn es in der Buchung enthalten ist. Kauft Euch am Vorabend ein Panini und etwas Aufschnitt in einem Supermarkt, schmiert morgens ein Brot und seht zu, dass Ihr unterwegs dazu einen guten Cappuccino bekommt. Das ist nicht schwierig und mit ca. €1,50 sogar ziemlich günstig.
Vergesst Sightseeing Busse. Rom heißt zu Fuß laufen. Viel laufen. Wenn man den ganzen Tag unterwegs ist kommen da leicht 10-20km zusammen. Und ein bisschen rauf und runter geht es außerdem. Also bequeme Klamotten, gute Schuhe und eine große Flasche Wasser mitnehmen.
Der Römische Verkehr ist berüchtigt. Erstens ist Rom eine Stadt mit über 3 mio. Einwohnern und zweitens ist es eben Südeuropa. Wobei mir die Autofahrer vergleichsweise zahm vorkamen. Die halten sogar meistens bei Rot. Davon darf man bei den Motorrollern nicht unbedingt ausgehen. Die fahren wirklich wie die Henker!
Motorroller, Motorroller, Motorroller...
Gutes Essen ist an jeder Ecke zu bekommen. Und wenn man mal ein paar Meter in eine Seitenstrasse geht, auch recht wohlfeil. Für zwei Pizzen, einen halben Liter Hauswein, eine Flasche Wasser, ein Tiramisu und zwei Espresso habe ich nie mehr als €30,- bezahlt – und es war lecker!!!
Die Pizzeria am Ende der Sackgasse
Genug geklugscheissert: Hier sind noch ein paar Fotos:
Ich habe schon genug alte Computer. Wirklich! Noch mehr sind nicht sinnvoll in meiner kleinen Wohnung. Aber heute ist recht spontan doch noch ein Amiga 500 dazugekommen. Dem guten Stück drohte das Ende in einem Recyclinghof. Diesen Frevel konnte ich nicht zulassen und habe dem Schätzchen Asyl gewährt. Vorhin habe ich einen randvollen Umzugskarton in die Hand gedrückt bekommen. Neben dem Rechner, befand sich darin noch ein Commodore 1084S Monitor, Zweitfloppy und noch ein bischen Kleinkram. Alles funktioniert hervorragend!
Amiga 500 mit Zubehör
Lustigerweise habe ich überhaupt keine Erfahrung mit dem Amiga, obwohl er zu den meistverkauften Rechnern überhaupt zählt.
Meine ersten Computer waren noch 8-Bit Maschinchen, wie Sinclair ZX81, Sinclair Spectrum und der geniale Commodore 64. Danach bin ich gleich auf den (DOS) PC gewechselt. Die 16 Bit Heimcomputer sind an mir vorübergegangen.
Jetzt sitze ich also hier und mache mich erst mal mit Kickstart, Workbench und so weiter vertraut. Ich hatte den Amiga bisher nur als guten Spielcomputer auf dem Radar. Jetzt bin ich bin völlig begeistert, wie modern sich das Betriebssytem noch anfühlt. Maus, Fenster, Multitasking, Ram-Disk, und allen Schikanen. Die PCs aus derselben Zeit sind dagegen grobe Dampfmaschinen.
Toll, dass ich das mit 30 Jahren Verspätung bemerke… :-)
Und zur Feier des Tages möchte ich hier noch auf ein sehr schönes Demo hinweisen, das auf der diesjährigen Revision veröffentlich wurde: “on by mercury”. Es belegt Platz 2 im Wettbewerb PC, 64K.
Sehr schöne Musik und Grafik in winzigen 64K Speicher. Enjoy…